Abschied vom verstaubten Bau

Ein neues Image im Baugewerbe schaffen

Dass Maren Kruse einmal zurückkehren würde, hatte sie selbst nie geglaubt. Dann verwandelte sich ihr Studentenjob nach drei Tagen in eine spannende Festanstellung.

Maren Kruse ist in Papenburg aufgewachsen. Als sie ihren Schulabschluss in der Tasche hatte, wollte sie raus aus der Heimat, Neues entdecken. In einem fünf-Sterne-Hotel in Travemünde hat sie eine Ausbildung zur Hotelkauffrau gemacht und in Lübeck gelebt, Hamburg um die Ecke. Dann folgte ein BWL-Studium in Osnabrück, um im Hotelmanagement auf übergeordneter Ebene Karriere machen zu können. Dass sie einmal zurückkehren würde, war ziemlich unwahrscheinlich.

Vor vier Jahren durchkreuzte die Heimat ihre Pläne: „Ich war eigentlich nur auf der Suche nach einem Job für die Semesterferien“, erzählt die heute 28-Jährige. Dabei ist sie auf die Günter Terfehr Bautechniker GmbH & Co in Rhede (Ems) gestoßen. „Und nach drei Tagen hatte ich irgendwie keinen Studentenjob mehr, sondern das Angebot für eine Festanstellung“, lacht sie. „Die Möglichkeiten waren toll und es hat einfach gepasst.“ Das Studium hat sie berufsbegleitend beendet und ist neben Frau Terfehr heute die zweite feste Säule in der Personalabteilung.

App statt handgeschriebener Stundenzettel

Für viele mittelständische Unternehmen im Baugewerbe bedeutet die Personalarbeit hauptsächlich Lohnabrechnung. Bei Terfehr ist das dank Kruse nicht mehr so. „Ein ganz großer Meilenstein war die Abschaffung der herkömmlichen, handgeschriebenen Stundenzettel“, erzählt Kruse stolz. Sie hat für die Stundenerfassung eine App impliziert. Damit können die Mitarbeiter ihre Zeiten unterwegs eintragen, Bautenstände dokumentieren, Schlechtwetterzeiten eintragen und Urlaubs- und Krankmeldungen einreichen. „Terfehr ist ziemlich offen für neue Ideen und wir sind ein fortschrittliches Team“, sagt Kruse.

 

Das Unternehmen hat sich vom veralteten Image des Baugewerbes verabschiedet, auch weil durch die App mehr Zeit für andere Personalthemen geschaffen wurde: Besonders wichtig ist Kruse dabei die strukturierte Begleitung der Ausbildungszeit und die Qualifizierung von Beschäftigten, da es auch im Baugewerbe an Nachwuchs fehlt. Inzwischen ist sie feste Anlaufstelle und Vertrauensperson für gut 100 Mitarbeiter. „Am Anfang war ich unter den Bauarbeitern allerdings das Blondchen aus dem Büro, das alles ganz genau haben will“, lacht sie. „Aber es hat sich ja gelohnt, jetzt sind alle zufrieden mit der Entwicklung!“

Die Wirtschaftswissenschaftlerin ist glücklich, dass sie einen so großen Vertrauensvorschuss von der Geschäftsführung erhalten hat. Geschäftsführer Gerrit Terfehr setzt auf ein dynamisches Team: „Bei uns greifen die modernen Ideen und innovativen Impulse von Rückkehrern und Zugezogenen gut mit der Erfahrung langjähriger Mitarbeiter ineinander. Diesen Austausch und Zusammenhalt zu sehen, ist toll.“ 

Standortnachteil oder Heimvorteil? Ansichtssache.

Maren Kruse hat ihre Ansicht über die Heimat geändert. Natürlich vermisst sie ab und an das Städtische, „aber ein Wochenende rüber nach Hamburg reicht auch. Da ist man ja schnell. Außerdem kann ich mir ein Pferd hier halten, eine entsprechende Wohnung und ein Auto leisten – das wäre in der Stadt ganz anders.“ Und noch etwas wäre anders: „Ich glaube, die Vielfalt an Möglichkeiten, die ich hier bekommen habe, bekäme ich nur bei sehr wenigen anderen Unternehmen. Dadurch dass das Unternehmen so stark gewachsen ist, haben sich viele Bereiche stark weiterentwickelt und ich kann vieles mitgestalten. Hier gibt es diese Machermentalität und den Zusammenhalt mit den Kollegen.“ 

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