Der Vorreiter

Wie Alexander Prox Industrie 4.0 nach Ostrhauderfehn brachte

Wo andere sich den Kopf über die Umsetzung von „Industrie 4.0“ zerbrechen, blickt Alexander Prox gelassen in die Zukunft. Von Muffensausen, Zusammenhalt und dem Mut neue Schritte zu wagen.

„Was Sie da vorhaben, ich glaube, das können wir gar nicht.“ Selbst die jüngsten Mitarbeiter waren unsicher im Blick auf Prox‘ Plan: Arbeiten komplett ohne Papier. In einem Unternehmen, das für Krankenhaus-, Senioren- und Pflegeeinrichtungen in halb Europa individuelle Funktionsmöbel herstellt. Heute fühlen sich die Mitarbeiter so wohl, dass sie bei der Arbeit quer durch die Halle singen und einem ein herzliches „Moin!“ entgegen schmettern. Sie haben Lust auf ihren Job.

Verantwortlich dafür ist Alexander Prox, Geschäftsführer der novocal GmbH & Co. KG in Ostrhauderfehn. Er hat das Unternehmen 2012 übernommen und komplett umgekrempelt. Dafür hat er Cloppenburg den Rücken gekehrt. Was ihn überzeugt hat? „Die Mitarbeiter. Sie haben einen sehr offenen, guten Eindruck gemacht, standen sehr stark hinter dem Unternehmen und hielten zusammen. Daraus kann ich etwas formen, dachte ich“, erinnert sich der 46-Jährige lebhaft.

Industrie 4.0 kombiniert mit Handarbeit

Prox war mutig, hat die Produktion von zwei Standorten in Ostrhauderfehn gebündelt und die Arbeitsprozesse von der Bestellung bis zur Auslieferung Schritt für Schritt digitalisiert. Früher mussten für einen Stationswagen mit Wäschesammler zwei Aufträge erstellt und ausgedruckt werden, tausende Mal. Prox ließ sich eine eigene Software entwickeln, um den Papierkrieg zu beenden und die Abläufe zu optimieren: Mitarbeiter erhalten bei Anrufen alle Kundendaten auf ihrem Monitor. Die Buchhaltung funktioniert ohne Originalbelege und die optimale Auslieferungsroute wird direkt mit dem LKW synchronisiert. „Meine Mitarbeiter sagen, dass sie nie wieder wie früher arbeiten wollen“, lacht Prox.

In der Produktion sind Bestellungen in Echtzeit auf einem großen Monitor zu sehen, aber die Funktionsmöbel werden in Handarbeit gefertigt. Das Manufaktur-Niveau und die Digitalisierung zahlen sich aus: „Wir gehören zu den Marktführern und zählen dabei 41 motivierte Mitarbeiter.“

Familiär und demokratisch

In Zeiten radikaler Modernisierung hat Prox eine Vertrauensatmosphäre geschaffen, in der seine Mitarbeiter zusammenhalten und einander unterstützen. Als Anfang 2017 auf Schichtbetrieb umgestellt werden musste, ließ Prox sie selbst entschieden, wann eine Schicht beginnt, wann Pausen sind und wann die Spätschicht endet. Das funktionierte. Er setzt auf gemeinsame Highlights und individuelle Mitarbeiterförderungen statt freier Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Und was im Kleinen funktioniert, klappt auch im Großen: Prox ist überzeugt von der Mentalität am Standort Ostrhauderfehn. Selbst im 53 Hektar großen, bunt gemischten Gewerbegebiet leiht man sich gegenseitig Stapler oder LKW-Hänger und trifft sich einmal im Quartal mit den Unternehmern. „Das kommt an“, sagt auch Bürgermeister Günter Harders, „nur im Gewerbegebiet in Idafehn sind noch Flächen frei.“

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